Wintereinbruch in Hessen: Verkehrschaos, Flugausfälle und kilometerlange Staus
Ein massives Tiefdruckgebiet hat am Dienstagmittag den Winter mit voller Härte nach Hessen zurückgebracht. Innerhalb weniger Stunden verwandelten sich Autobahnen in Parkplätze, der öffentliche Nahverkehr kam ins Stocken, und am größten deutschen Flughafen ging zeitweise nichts mehr. Ein detaillierter Blick auf die Lage, die Hintergründe und die Aussichten für die kommenden Tage.
Der Dienstag, der 3. Februar 2026, wird vielen Pendlern und Reisenden in Hessen noch lange im Gedächtnis bleiben. Was am Morgen im Südwesten des Bundeslandes noch als harmloser Regen begann, entwickelte sich bis zum Nachmittag zu einer ausgewachsenen winterlichen Belastungsprobe für die Infrastruktur. Dichte Schneefälle und rapide sinkende Temperaturen sorgten für glatte Straßen und eine Sichtweite, die streckenweise gegen Null tendierte. Wie die Redaktion von Zeitkurier.com berichtet, sind die Auswirkungen im gesamten Rhein-Main-Gebiet sowie in Westhessen massiv zu spüren.
Die Kombination aus Berufsverkehr und extremen Witterungsbedingungen führte zu einem Dominoeffekt, der sowohl den Straßen- als auch den Luftverkehr empfindlich traf. Während die Streudienste im Dauereinsatz sind, mahnen Polizei und Wetterdienste weiterhin zu äußerster Vorsicht.
Stillstand am Drehkreuz: Flughafen Frankfurt setzt Betrieb aus
Besonders dramatisch spitzte sich die Lage am Flughafen Frankfurt zu. Das größte Luftfahrtdrehkreuz Deutschlands ist zwar auf Winterwetter vorbereitet, doch die Intensität des Schneefalls am Dienstagnachmittag zwang den Betreiber Fraport zu drastischen Maßnahmen. Gegen 15:00 Uhr musste der Flugbetrieb vorübergehend komplett eingestellt werden.
Der Grund für diese Entscheidung war die Sicherheit: Eine geschlossene Schneedecke auf den Start- und Landebahnen machte einen gefahrlosen Betrieb unmöglich. Trotz des unermüdlichen Einsatzes der Winterdienstflotte, die mit Schneepflügen, Kehrblasgeräten und Enteisungsmitteln versuchte, die Bahnen freizuhalten, gewann der Neuschnee kurzzeitig die Oberhand. Hinzu kam die notwendige Enteisung der Flugzeuge selbst – ein Prozess, der bei starkem Niederschlag deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, da die Schutzwirkung der Enteisungsflüssigkeit bei anhaltendem Schneefall schneller nachlässt.
Die Folgen für Passagiere
Erst gegen 16:15 Uhr konnte eine erste Entspannung gemeldet werden: Die Startbahn West wurde wieder freigegeben. Doch der „Stau“ in der Luft und am Boden war bereits enorm. Die Bilanz des Nachmittags ist gravierend:
- Rund 100 Flüge mussten annulliert werden.
- Etwa 30 Maschinen, die Frankfurt ansteuern wollten, wurden zu anderen Flughäfen umgeleitet, darunter München, Köln/Bonn und Stuttgart.
- Tausende Passagiere saßen in den Terminals oder bereits in den Maschinen fest.
Flughafenbetreiber Fraport teilte mit, dass ab dem späten Nachmittag auch Landungen wieder sukzessive ermöglicht werden sollten. Dennoch müssen Reisende auch in den Abendstunden und am Folgetag mit Verzögerungen rechnen, da der Flugplan durch die Unterbrechung stark durcheinandergewirbelt wurde.
Autobahnen im Ausnahmezustand: Die A3 und A5 als Nadelöhr
Während am Flughafen die Maschinen stillstanden, ging auf Hessens Straßen nichts mehr voran. Besonders betroffen waren die Hauptverkehrsadern A3 und A5, die dem Ansturm des Schnees und der damit verbundenen Glätte nicht standhielten.
A3: 25 Kilometer Geduldsprobe
Die Situation auf der A3 in Fahrtrichtung Köln entwickelte sich am Nachmittag zum Albtraum für Autofahrer. Zwischen Raunheim (Groß-Gerau) und Niedernhausen (Rheingau-Taunus) staute sich der Verkehr zeitweise auf einer Länge von unglaublichen 25 Kilometern. Ursächlich hierfür war eine unglückliche Verkettung mehrerer Faktoren:
- Baustellen: Zunächst verengten Reparaturarbeiten auf dem linken Fahrstreifen die Fahrbahn.
- Wetterbedingungen: Der einsetzende Schneefall führte zu extrem glatten Fahrbahnen.
- Lkw-Blockaden: Auf den verbliebenen Fahrspuren fuhren sich mehrere Lastkraftwagen fest. Durch das fehlende Gewicht auf der Antriebsachse oder unzureichende Bereifung verloren die schweren Fahrzeuge an Steigungen die Traktion und blockierten den nachfolgenden Verkehr komplett.
Auch die Gegenrichtung blieb nicht verschont: Hier meldete die Verkehrsredaktion einen Rückstau von acht Kilometern. Wer hier unterwegs war, verlor Stunden.
A5: Querstehende Lkw und Unfallserien
Ein ähnliches Bild bot sich auf der A5 zwischen Darmstadt und Kassel. Hier waren es vor allem querstehende Lkw, die die Fahrbahn in beiden Richtungen streckenweise unpassierbar machten. Wie die hr-Verkehrsredaktion meldete, ereigneten sich mehrere Unfälle fast zeitgleich. Wenn ein 40-Tonner auf glatter Fahrbahn ins Schlingern gerät und sich querstellt („Jackknifing“), ist oft schweres Gerät zur Bergung nötig – bei anhaltendem Schneefall ein langwieriges Unterfangen.
Bundesstraßen und Stadtverkehr
Das Chaos beschränkte sich nicht nur auf die Autobahnen. Auch auf den Bundesstraßen kam der Verkehr zum Erliegen:
- B8 (Westerwald): Blockiert durch querstehende Lkw.
- B456 (Taunus): Lkw-Blockaden an Steigungsstrecken.
- B42 (Rheingau): Behinderungen durch liegengebliebene Fahrzeuge.
Im Stadtgebiet von Frankfurt zeigte sich die Tücke des Wetters in der Unfallstatistik: Innerhalb von nur einer Stunde registrierte die Polizei am Nachmittag 20 wetterbedingte Unfälle. Meist handelte es sich um Blechschäden durch Auffahrunfälle oder Kontrollverlust in Kurven, doch die Masse der Vorfälle band zahlreiche Einsatzkräfte.
Öffentlicher Nahverkehr: Witterungsbedingte Kapitulation
Wer dachte, mit Bus und Bahn dem Chaos auf den Straßen zu entkommen, wurde vielerorts enttäuscht. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) meldete umfangreiche Einschränkungen im gesamten Netzgebiet, insbesondere im Rhein-Main-Gebiet sowie in Mittel- und Osthessen.
Bei den Bussen führten die ungeräumten oder glatten Straßen dazu, dass Fahrpläne nicht mehr eingehalten werden konnten. In Wiesbaden kämpften sich Linienbusse mühsam durch die Schneemassen, während in ländlichen, höher gelegenen Regionen der Busverkehr teilweise komplett eingestellt werden musste. Sicherheit geht hier vor Pünktlichkeit – ein querstehender Gelenkbus stellt ein massives Sicherheitsrisiko dar.
Auch der Schienenverkehr blieb nicht verschont. Auf diversen S-Bahn- und Regionalbahn-Linien kam es zu Zugausfällen oder dem Entfall von Haltestellen. Weichenstörungen durch Schnee und Eis sowie verspätetes Personal, das selbst im Stau steckte, trugen zur Verschärfung der Lage bei.
Die meteorologischen Hintergründe: Ein Tiefausläufer zieht durch
Wie hessenschau.de berichtet, ist der Auslöser für diesen erneuten Wintereinbruch ein Tiefausläufer, der von Süden über Hessen zieht. Die Wetterlage ist klassisch für diese Jahreszeit, aber in ihrer Intensität dennoch bemerkenswert. Meteorologin Pila Bossmann von der hr-Wetterredaktion erklärte den Verlauf: „Morgens hat es zunächst im Südwesten geregnet. Seit dem Mittag ging der Niederschlag jedoch zunehmend in Schnee über.“
Dieser Phasenübergang von Regen zu Schnee ist besonders tückisch. Er sorgt dafür, dass die Straßen zunächst nass sind und die Nässe dann unter dem fallenden Schnee gefriert oder sich mit dem Schnee zu einem schmierigen Matsch verbindet. Die Temperaturen pendelten sich zwischen -3 und +4 Grad ein. Bossmann warnt eindringlich: „Wenn die Straße weiß aussieht, kann es glatt sein.“ Doch auch bei Temperaturen im positiven Bereich bis etwa drei Grad besteht akute Glättegefahr durch Bodenfrost oder überfrierende Nässe.
Warnlage des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
Für weite Teile Hessens gelten amtliche Warnungen, teils sogar Unwetterwarnungen. Der Schneefall breitete sich im Tagesverlauf von Südwesten nach Nordwesten aus. Gegen Abend zieht das Niederschlagsgebiet weiter in Richtung Nordosten ab, was bedeutet, dass sich der Schwerpunkt der Verkehrsbehinderungen im Laufe des Abends verlagern könnte.
Verhaltenstipps für Autofahrer
Angesichts der aktuellen Lage raten Experten dringend dazu, nicht notwendige Fahrten zu verschieben. Wer dennoch fahren muss, sollte folgende Hinweise beachten:
- Ausrüstung: Winterreifen sind Pflicht. Ein Eiskratzer, Besen und Frostschutzmittel für die Scheibenwischanlage sollten griffbereit sein. Auch eine warme Decke und etwas zu Trinken im Auto sind bei den aktuellen Stau-Prognosen ratsam.
- Fahrweise: Abstand halten ist das oberste Gebot. Der Bremsweg verlängert sich auf Schnee und Eis dramatisch. Ruckartige Lenkbewegungen sollten vermieden werden.
- Lkw-Problematik: Pkw-Fahrer sollten besondere Vorsicht in der Nähe von Lkw walten lassen, insbesondere an Steigungen. Ein Überholvorgang bei ungeräumter linker Spur birgt ein hohes Risiko.
Ausblick: Wetterberuhigung in Sicht?
Die Prognosen für die kommenden Tage geben Anlass zu vorsichtiger Hoffnung, aber noch keine Entwarnung.
- Mittwoch: Der Tag startet vielerorts neblig-trüb, später soll es jedoch teils sonnig und überwiegend trocken werden. Die Temperaturen steigen auf bis zu 9 Grad am Main, im Norden bleibt es mit 3 Grad kühler. Doch Vorsicht: In der Nacht zum Donnerstag können sich erneut Nebelfelder bilden, und später zieht neuer Schnee auf, der wieder für Glätte sorgen kann.
- Donnerstag: Es bleibt stark bewölkt mit gelegentlichem Sonnenschein. Vor allem im Norden und Osten Hessens kann es zeitweise leicht schneien. Die Temperaturen bewegen sich zwischen -1 und +6 Grad.
- Mittelfristig: Zum Wochenende hin deuten die Modelle auf eine Milderung hin. Eine flächendeckende, hessenweite „Glättelage“ wie am heutigen Dienstag ist laut den Wetterexperten vorerst nicht mehr zu erwarten.
Bis sich die Lage auf den Straßen und am Frankfurter Flughafen vollständig normalisiert hat, wird es jedoch noch einige Stunden dauern. Die Räumdienste werden die Nacht durcharbeiten müssen, um die Spuren dieses heftigen Wintereinbruchs zu beseitigen. Für den morgigen Berufsverkehr bleibt zu hoffen, dass die milderen Temperaturen und der Einsatz der Autobahnmeistereien Wirkung zeigen.